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Rothschönberger Stolln durch Flut eingebrochen PDF Drucken
Donnerstag, 5. September 2002
Teile des Rothschönberger Stollns sind durch die starken Niederschläge und das sich daraus entwickelnde Hochwasser Mitte August eingebrochen. Betroffen sei ein Bereich von etwa 120 Metern Länge vor dem siebenten Lichtloch in Halsbrücke, erklärt Bergbauhistoriker Jens Kugler. Bis zu zweieinhalb Meter hoch hätten die Schuttmassen den Stolln verfüllt, so der Geologe.

„Binnen weniger Tage fielen nach ersten Schätzungen über 50 Tagbrüche im Freiberger Revier, das sind mehr als in den vergangenen Jahren zusammen“, resümiert Kugler. In der Reichen Zeche habe das Wasser am 14. August rund 23 Meter über der höchsten Sohle gestanden. Der Rothschönberger Stolln hatte als Hauptentwässerungsanlage des Freiberger Reviers die bislang größten Wassermassen in seiner 125-jährigen Geschichte abzutragen. Kugler hatte schon vor der Flut darauf hingewiesen, dass an dem Stollnsystem dringende Arbeiten erforderlich seien.

Das Mundlochportal muss gesichert, die Standsicherheit des Stollns kontrolliert und die Wasserablässe am Spatgewölbe geöffnet werden. „Geschehen ist bis jetzt leider überhaupt nichts“, kritisiert Kugler. Durch das Engagement des Geologen aufmerksam geworden will das Sächsische Oberbergamt erst jetzt Untersuchungen einleiten, wie dessen Chef Reinhard Schmidt auf Nachfrage informiert.

Beim Hochwasser am 13. August drang das Muldenwasser mit voller Gewalt in die untertägigen Baue, die oberhalb des Rothschönberger Stollns beträchtlichen Umfang haben. Auf dem Querschlag des Stollns lastete ein Druck von mindestens 14 Atmosphären, das entspricht einer Wassersäule von 140 Metern. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren stieg das Wasser auch im Abraham-Schacht, im David-Schacht und im Turmhof-Schacht. Neun Tage nach dem Hochwasser sei der Wasserspiegel erst auf 30 Meter unter das Muldeniveau abgesunken.

„Nach mehreren Befahrungen am 26. August konnte definitiv festgestellt werden, dass der Rothschönberger Stolln entweder mit größeren Holzresten zugesetzt oder verbrochen ist“, erklärte Jens Kugler, der diese Beobachtungen fotografisch festgehalten hat. Zweifellos, so Kugler, habe das Geschehen auch Einfluss auf die Zukunft des Dreibrüderschachtes.

„Das Kavernenkraftwerk war mit großer Wahrscheinlichkeit überflutet“, urteilt Kugler. „Die Konzepte zur Wiederinbetriebnahme sind deshalb zu überdenken, empfiehlt er. Voraussetzung dafür wäre die Sanierung des Rothschönberger Stollns bis zum Mundloch in Rothschönberg. Hätte der Förderverein Dreibrüderschacht schon neue Kraftwerksanlagen installiert, wären auch diese dem Hochwasser zum Opfer gefallen.
 
Quelle: Freie Presse, 05.09.2002
 
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