Buntmetalldiebe verschonen heut zutage wohl nicht einmal mehr Friedhöfe. So wurden kürzlich zwei große Bronzeplatten des zentralen Denkmals des Freiberger Vertriebenenfriedhofs gestohlen, die angeknackte dritte Platte wurde sicherheitshalber inzwischen abmontiert. Da der genaue Tatzeitpunkt nicht bekannt ist (Feststellung am 29. April), sind die Nachforschungen der Kripo schwierig. Möglichweise könnte der Diebstahl auch politisch mitmotiviert sein, da Vertriebenendenkmäler ein Dorn im Auge von Linksextremisten sind. Und am unweit gelegenen sowjet-russischen Soldatendenkmal blieben die Kupferplatten unbehelligt...
Der von 1999 bis 2002 an der Himmelfahrtsgasse mit viel Mühe angelegte Freiberger Vertriebenenfriedhof ist mit 1.375 namentlichen Stelen der größte geschlossene seiner Art in Deutschland. Nach Kriegsende zogen durch die Silberstadt zehntausende Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten. Am 20. August 1945 waren in Freiberg z.B. 35.600 Flüchtlinge "untergebracht". Und viele von ihnen starben hier 1945 48 an den Folgen von Qual und Flucht. In der DDR wurden die geschichtlichen Fakten der Vertreibung unter Strafandrohung noch bis 1989 totgeschwiegen.
Besonders oft sind auf dem Freiberger Friedhof als Herkunftsort übrigens die sudetendeutschen Städte Brüx, Saaz, Dux oder Bilin genannt. Aber auch Namen wie Riga, Königsberg, Breslau oder Danzig sind dabei. übrigens sprach zur Eröffnung am 14. September 2002 auch der designierte Sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich.