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Verein will Jacobikirche bei Bau unterstützen PDF Drucken
Samstag, 9. Februar 2002
Altbergbau fordert Tribut
 
ImageDie Jacobikirche ist ein markantes Bauwerk in Freiberg. Doch das Fundament des Turmes steht auf löchrigem Grund, was eine aufwändige Sanierung notwendig machte. Eine Anfang Januar 2002 gegründete Gesellschaft zur Erhaltung der St. Jacobi-Kirche Freiberg will sich dafür einsetzen, die durch Bergbauschäden unerwartet deutlich aufwändiger gewordenen Bauarbeiten in der Kirche zu einem guten Ende zu bringen.

Die 1892 errichtete Kirche, Freibergs bedeutendstes neogotisches Bauwerk, ist seit Pfingsten 2001 gesperrt, weil Untersuchungen der Risse im Gewölbe und an den Säulen ergeben hatten, dass sich der Bau senkt. Bohrungen bestätigten dann den Verdacht, dass die Kirche unmittelbar über einen alten Bergstolln errichtet wurde und die Gefahr eines Tagebruchs bestand. Die Jacobikirche befindet sich in dem Gebiet, in dem vor mehr als 800 Jahren der Freiberger Silberbergbau begann. ”Es wurde festgestellt, dass genau hier der Haupteingang verlief, in dem übertägig Erz abgebaut wurde“, erklärte Pfarrerin Gundula Rudloff. Später wurde der Stolln lose verfüllt, und im wahrsten Sinne des Wortes wuchs Gras darüber, so dass niemand eine Gefährdung vermutete, als die Kirche gebaut wurde.

ImageDie Gottesdienste wurden seit der Sperrung in die Räume der Adventgemeinde verlegt. In der Zwischenzeit spürten Spezialfirmen die Hohlraume unter der Kirche auf. Insbesondere unter der Silbermann-Orgel und den Hauptsäulen wurden Dutzende Tonnen Beton eingefüllt. Die von Rissen durchzogenen Stützen wurden mit Edelstahl stabilisiert.
Während für die Behebung der Bergbauschäden das Oberbergamt aufkomme, fehlen der Kirchengemeinde jedoch noch dreieinhalb Millionen Mark für anschließende Bauarbeiten, sagte Gundula Rudloff. Fördermittelanträge seien bereits eingereicht, aber noch nicht entschieden. ”Der Dachstuhl muss saniert werden, das Dach neu gedeckt, das Bauwerk trockengelegt und Risse müssen verpresst werden“, zählte Sie auf. Außerdem sei eine Schallschutzverglasung für die Fenster wichtig. ”Wegen des Straßenlärms auf der Kreuzung an der B 173 muss ich nicht nur oft in der Predigt innehalten. Deshalb konnten hier bisher auch keine Tonaufnahmen von der Silbermann-Orgel gemacht werden“.

Der Hinweis auf ”starken Droschkenverkehr“ war übrigens auch eines der Argumente gegen den Bau der Kirche an dieser Stelle, zitierte Steinmetzmeister Tobias Neubert, einer der Gründer des Vereins, Zeitungsberichte aus dem 19. Jahrhundert.

Der Förderverein will eine breite Öffentlichkeit erreichen, nicht nur in kirchlichen Kreisen, sondern auch unter historisch Interressierten. Zu seinen selbst gestellten Aufgaben gehöre es, Spendengelder herbeizuschaffen, die Geschichte der Jacobikirche zu erforschen und Vorträge zu organisieren. Pfingsten 2002, so hofft Pfarrerin Gundula Rudloff, sollen wieder Gottesdienste und andere Veranstaltungen in der Jacobikirche stattfinden.

So belastend die Bauarbeiten in der Kirche für manche Gemeindemitglieder seien, würden sie auch eine große Chance mit sich bringen. ”Ich habe die Vision von einer vielfach nutzbaren Kirche, mit vielen Räumen für das Gemeindeleben“, sagte Sie. ”Die Menschen in dieser Stadt brauchen auch Kirchen. Und die Jacobikirche ist ein Kunst- und Kulturdenkmal, ein markantes Bauwerk mit einzigartigen Raum. Viele Ortsfremde, die hier vorbeikommen, fragen: ist das der Freiberger Dom mit der goldenen Pforte?“.

Viel Segen sei von diesem Ort ausgegangen, und die Gemeinde wolle auch Zeichen setzen für die Stadt.

Quelle: Freiberger Blick
 
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