 Was die wenigsten wußten - Freiberg hatte in der Nazizeit ein Konzentrationslager. Wohl eher ein Aussenlager des KZ Flossenbürg, jedoch mit vergleichbaren menschenverachtenden Schattenseiten. An der Frauensteiner Strasse gelegen, wurde ab Sommer 1944 bis Kriegsende 1945 in der ehemaligen "Freia GmBH" ein Aussenlager des KZ Flossenbuürg errichtet.
Mehr als 1000 größtenteils jüdische Zwangsarbeiterinnen bauten, in der 1943 erbauten "Freia GmbH", für das Verlagerungswerk der ARADO Flugzeugwerke Potsdam-Babelsberg, Flugzeugteile für die faschistische Rüstungsindustrie und lebten unter unmenschlichen Bedingungen in leerstehenden Industriehallen und Baracken. 8 Frauen verloren durch die menschenverachtende Behandlung der faschistischen Schergen und der Gleichgültigkeit der deutschen Bevölkerung ihr Leben.
Die ARADO Flugzeugwerke Potsdam-Babelsberg, zählten damals zu den führenden Luftrüstungsunternehmen Deutschland. Um den Aufträgen der Kriegswirtschaft gerecht zu werden, fehlten allein diesem Rüstungsunternehmen etwa 6000 Arbeitskräfte, die seit 1943 durch die Zuführung von sogenannten "Fremdarbeitern" und durch Zwangsarbeiter aus Konzentrationslagern gestellt wurden. Die "Freia GmbH" bekam ein Außenkommando des KZ Flossenbürg, das aus rund 1000 weiblichen, jüdischen Häftlingen bestand, die zur "Vernichtung durch Arbeit" im KZ Auschwitz / Birkenau erfasst worden waren. Ein Teil der Häftlingsfrauen wurde in einem Außenkommando zur Rüstungsproduktion bei der Firma "Max Hildebrand GmbH" eingesetzt. Das Betriebsvermögen dieser Firma verfünffachte sich in diesen Kriegsjahren.
Transporte aus Auschwitz nach Freiberg:
- Transport am 31. August 1944 mit 249 polnischen Jüdinnen
- Transport am 22. September 1944 mit 251 polnischen Jüdinnen
- Transport am 12. Oktober 1944 mit 502 Jüdinnen aus der damaligen Tschechoslowakei, Deutschland und anderen europäischen Staaten
Am 12. Oktober 1944 kam aus Auschwitz der 3. Häftlingszug nach Freiberg, mit billigen Arbeitskräften für die Zwangsarbeit in der "Freia GmbH". Eine davon, Frau Helga Weissová, tschechischer Herkunft, berichtet über Ihre Erlebnisse, in Auschwitz und Freiberg, zum Zeitpunkt der letzten Kriegsjahre gesehen. Dabei wird Sie, durch Ihre Leidensgenossin, Frau Leopoldine Wagner, inhaltlich sehr unterstützt.
Die "Kosten" des Häftlingseinsatzes für die "Freia GmbH": 4,00 RM als Arbeitsvergütung (von denen die Häftlingsfrauen nichts erhielten), abgezogen wurden davon 0,70 RM "Häftlingsverpflegung/Tag". Jede Rüstungsfirma, die KZ-Häftlinge einsetzte, wusste also von der unzureichenden Ernährung und nahm billigend das Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit" in Kauf. Zunächst in den Fabrikhallen an der Frauensteiner Straße kaserniert, wurden die jüdischen Mädchen und Frauen im strengen Winter 1944/45 in ein unbeheiztes Barackenlager am Hammerberg (Schachtweg) gepfercht. Am 14. April 1945 wurde das Lager vor der heranrückenden Front "evakuiert". Nach 16-tägiger Irrfahrt in zum Teil offenen Güterwaggons kamen die Frauen in das KZ Mauthausen, wo sie von amerikanischen Truppen befreit wurden.
Auch dieses Gebäude am Davidschacht diente während des I. Weltkrieges als Außenstelle der Rüstungsproduktion. Im sogenannten "Wehrbetrieb" Max Hildebrand wurden ebenfalls zahlreiche Zwangsarbeiterinnen aus Auschwitz eingesetzt. Hier befand sich später das Freiberger Porzellanwerk, das heute stillgelegt ist.
Nach dem Krieg wurden die Gebäude der "Freia GmBH", durch die Porzelan- und Schuhfabriken Freiberg übernommen. Im vorderen Gebäudeteil, welches an die Frauensteiner Strasse reicht, zog das Landratsamt Freiberg ein. Dieser Teil des Gebäudes wurde umfangreich rekonstruiert. 1995 wurde hier an einer versteckten Stelle im Eingangsbereich des Landratsamtes eine Gedenktafel angebracht. Seit 1996 erinnert an gleicher Stelle eine zweite Gedenktafel an Dr. Werner Hoffmann, Direktor der Porzellanfabrik und als Jude Mitglied der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden. Durch Repressionen und Ausgrenzung wählte er 1939 den Freitod.
In den Neunzigern spürten junge Freiberger im CJD Chemnitz die nazionalsozialistische Vergangenheit ihrer Stadt auf. Sie entdeckten, was zu DDR-Zeiten oft verdrängt und vertuscht wurde: "Wehrbetriebe" als Außenkommando des Konzentrationslagers Flossenbürg, die tausende jüdische Zwangsarbeiterinnen beschäftigten. 2002 erschien ein Buch über die Forschungsergebnisse mit vielen beeindruckenden Lebensberichten von Frauen, die die Region als Zwangsarbeiterinnen kennenlernen mussten (ISBN-Nr.: 3-931801-27-6).
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Videoberichte über die Freia GmbH durch Helga Weissová
Helga Weissova-Hoskova, vormals Helga Weiss, geb. am 10. November 1929 in Prag, Tochter von Otto Weiss, Bankkaufmann und Irene, geb. Fuchs, Näherin Helga kam im Alter von 12 Jahren nach Theresienstadt, wo der Vater sie zum Malen ermunterte: "Zeichne, was du siehst." Ihre Kinderzeichnungen aus dem Ghetto sind weltberühmt. Der Vater wurde später in Auschwitz ermordet. Gemeinsam mit ihrer Mutter überlebte Helga. Sie ist heute eine internationale bekannte tschechische Malerin und Grafikerin, deren Thema immer auch der Holocaust bleibt. "Das Schlimmste waren der Hunger, der Schmutz und die Wanzen. Wir waren immer hungrig und uns war immer kalt. Sie haben uns nicht erlaubt, etwas auf unserem Kopf zu tragen. Für die Pritsche hatte jeder nur eine dünne Decke. Ich war mit meiner Mutter auf einer Pritsche, und wir haben die beiden dünnen Decken aufeinander gelegt. Das war ein bisschen wärmer. Ende März stellte die Fabrik die Arbeiter ein und damit wurde unsere Speisezuteilung noch gekürzt. Eine Zeitlang später bekamen wir überhaupt nichts zu essen und wir suchten auf dem Feld Wurzeln."
Nachfolgende Fernsehberichte wurden durch das Regionalfernsehen eff3-Freiberg produziert. Alle Rechte liegen bei eff3-Freiberg. Sie können eff3-Fernsehen über das Stadtkabel empfangen, oder die jeweils gerade aktuelle Sendung im Internet, unter: www.eff3-freiberg.de verfolgen.
tödliches Paradies Teil 1
tödliches Paradies Teil 2
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