Montag, 21. Mai 2012
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800 Jahrfeier von Freiberg (1986) PDF Drucken
Dienstag, 15. Juli 1986
Beitragsinhalt
800 Jahrfeier von Freiberg (1986)
Fotos von der Jahrfeier
ImageHistorischer Markt in Freiberg
 
Farbenprächtige Schwedenzelte, Schaubuden und Verkaufsstände, Bänkelsänger, Marktschreier und Leierkastenmänner bestimmten acht Tage lang das Bild in den Straßen der Freiberger Innenstadt von der Weingasse bis zum Untermarkt. Hier erwartete vom 6. bis 13. Juli 1986 der "Historische Markt" zur 800-Jahr-Feier seine Besucher. Um der Wahrheit die Ehre zu geben - so mancher hatte vorher seine Zweifel, ob dieser Markt tatsächlich "historisch" werden würde. Doch das, was Veranstalter, Organisatoren und Helfer mit so viel Liebe, Hingabe undIdeenreichtum in Szene gesetzt hatten, überzeugte selbst die größten Skeptiker und begeisterte alt und jung.

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Auf Schritt und Tritt traf man im bunten Markttreiben auf das, worauf die Veranstalter besonderen Wert gelegt hatten: Handwerk und alte Gewerke in Aktion. Da waren eine originalgetreue nachgestaltete historische Dorfschmiede, eine winzige Schuhmacherwerkstatt (siehe Foto) und eine Handdruckerei aufgebaut,wurden vor den neugierigen Augen der Passanten und Zuschauer Bütten handgeschöpft, Pferde beschlagen (siehe Foto), Wolle gesponnen und gewebt. Das alles geschah in den Kostümen, die den alten Berufstrachten nachempfunden waren.

So manche Tradition wurde hier nicht nur wiederentdeckt, sondern auch wiederbelebt. Ein Beispiel dafür ist der Spinnzirkel, der eigens in Vorbereitung des "Historischen Marktes" entstand und nun weiterbesteht, da die daran beteiligten Frauen ihre Liebe zum alten Spinnrad entdeckt haben.

Auch traditionelle Volkskünste waren vertreten. Es wurde geklöppelt, gestrickt und wer von den Besuchern Lust hatte, konnte sich selbst auch einmal dabei versuchen. Nicht nur Schau-, sondern auch Kauflustige kamen auf ihre Kosten. Typisches aus Freiberg war selbstverständlich am meisten gefragt. Das Gedränge war groß und der Umsatz sicher nicht minder.

Und läutet erst der "Marktmeister Kultur" mit der großen Glocke, gefolgt vom "Langen Hans", Harlekin und anderen Gauklern, dann strömten jedes Mal schnell viele Neugierige zusammen. Da jonglierte Kraftmensch "Samson" mit seinen eisernen Kugeln, verwirrten Zauberer das Publikum mit ihrer magischen Kunst und demonstrierten Raubritter, wie früher gerauft und gestritten wurde. Zugegeben, die Raubritter waren nicht echt, es waren Kaskadeure aus der Tschechischen Republik, angestellt bei den DEFA Studios Babelsberg-Berlin, aber ihre Vorführungen mit Schwert, Lanze und brennenden Fackeln waren beeindruckend.

Weniger gefährlich - doch auch nicht ganz ohne - ging es dagegen zu, wenn das Schauorchester "Ungelenk" mit seinen recht zeitgenössischen Interpretationen von Volksliedern auftrat,die nicht immer jugendfrei waren, aber dennoch oder gerade deßhalb ein begeistertes Publikum fanden, ebenso wie auch die Vorstellungen des Straßentheaters "Lumpensack". Auch für das leibliche Wohl der vielen Besucher war gesorgt: sieben Ochsen am Spieß, tausende Broiler, Brat- und Weißwürste sowie Schaschlyks fanden in dieser Woche reißenden Absatz.

Fazit dieser Schilderung: Wer auf dem "Historischen Markt" zu "Freyenberge" nicht auf seine Kosten kam, war selber schuld.

Für künftige Feste in der Bergstadt sind nun Maßstäbe gesetzt, wenn auch nicht jedes so groß ausfallen kann. Aber hätte es denn so schön werden können, wenn nicht so viele mitgeholfen hätten?


Textfassung von Sabine Ebert, Freiberg
Fotos vom Bild und Heimat Verlag Reichenbach (Vogtland), Verlag für Ansichtskarten und Kalender



 
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