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Historischer Markt in Freiberg
Farbenprächtige Schwedenzelte, Schaubuden und Verkaufsstände, Bänkelsänger, Marktschreier und Leierkastenmänner bestimmten acht Tage lang das Bild in den Straßen der Freiberger Innenstadt von der Weingasse bis zum Untermarkt. Hier erwartete vom 6. bis 13. Juli 1986 der "Historische Markt" zur 800-Jahr-Feier seine Besucher. Um der Wahrheit die Ehre zu geben - so mancher hatte vorher seine Zweifel, ob dieser Markt tatsächlich "historisch" werden würde. Doch das, was Veranstalter, Organisatoren und Helfer mit so viel Liebe, Hingabe undIdeenreichtum in Szene gesetzt hatten, überzeugte selbst die größten Skeptiker und begeisterte alt und jung.
Auf Schritt und Tritt traf man im bunten Markttreiben auf das, worauf
die Veranstalter besonderen Wert gelegt hatten: Handwerk und alte
Gewerke in Aktion. Da waren eine originalgetreue nachgestaltete
historische Dorfschmiede, eine winzige Schuhmacherwerkstatt (siehe
Foto) und eine Handdruckerei aufgebaut,wurden vor den neugierigen Augen
der Passanten und Zuschauer Bütten handgeschöpft, Pferde beschlagen
(siehe Foto), Wolle gesponnen und gewebt. Das alles geschah in den
Kostümen, die den alten Berufstrachten nachempfunden waren.
So manche Tradition wurde hier nicht nur wiederentdeckt, sondern auch
wiederbelebt. Ein Beispiel dafür ist der Spinnzirkel, der eigens in
Vorbereitung des "Historischen Marktes" entstand und nun weiterbesteht,
da die daran beteiligten Frauen ihre Liebe zum alten Spinnrad entdeckt
haben.
Auch traditionelle Volkskünste waren vertreten. Es wurde geklöppelt,
gestrickt und wer von den Besuchern Lust hatte, konnte sich selbst auch
einmal dabei versuchen. Nicht nur Schau-, sondern auch Kauflustige kamen auf ihre Kosten.
Typisches aus Freiberg war selbstverständlich am meisten gefragt. Das
Gedränge war groß und der Umsatz sicher nicht minder.
Und läutet erst der "Marktmeister Kultur" mit der großen Glocke,
gefolgt vom "Langen Hans", Harlekin und anderen Gauklern, dann strömten
jedes Mal schnell viele Neugierige zusammen. Da jonglierte Kraftmensch
"Samson" mit seinen eisernen Kugeln, verwirrten Zauberer das Publikum
mit ihrer magischen Kunst und demonstrierten Raubritter, wie früher
gerauft und gestritten wurde. Zugegeben, die Raubritter waren nicht
echt, es waren Kaskadeure aus der Tschechischen Republik, angestellt
bei den DEFA Studios Babelsberg-Berlin, aber ihre Vorführungen mit
Schwert, Lanze und brennenden Fackeln waren beeindruckend.
Weniger gefährlich - doch auch nicht ganz ohne - ging es dagegen zu,
wenn das Schauorchester "Ungelenk" mit seinen recht zeitgenössischen
Interpretationen von Volksliedern auftrat,die nicht immer jugendfrei
waren, aber dennoch oder gerade deßhalb ein begeistertes Publikum
fanden, ebenso wie auch die Vorstellungen des Straßentheaters
"Lumpensack". Auch für das leibliche Wohl der vielen Besucher war gesorgt: sieben
Ochsen am Spieß, tausende Broiler, Brat- und Weißwürste sowie
Schaschlyks fanden in dieser Woche reißenden Absatz.
Fazit dieser Schilderung: Wer auf dem "Historischen Markt" zu "Freyenberge" nicht auf seine Kosten kam, war selber schuld.
Für künftige Feste in der Bergstadt sind nun Maßstäbe gesetzt, wenn
auch nicht jedes so groß ausfallen kann. Aber hätte es denn so schön
werden können, wenn nicht so viele mitgeholfen hätten?
Textfassung von Sabine Ebert, Freiberg
Fotos vom Bild und Heimat Verlag Reichenbach (Vogtland), Verlag für Ansichtskarten und Kalender
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